Internationale Suchmaschinenoptimierung: Rankings in verschiedenen Ländern

Die internationale Suchmaschinenoptimierung gehört zu den Disziplinen, welche in deutschen SEO-Gefilden eher ein Schattendasein führt. Das liegt daran, dass die meisten Websites nur lokal, regional oder national ausgerichtet sind und zudem auch in der Regel einfach nur Content in deutscher Sprache gepflegt wird.

Der Schlüsseldienst in München hat zum Beispiel eher wenig Interesse daran, im Ausland gefunden zu werden. Bei einem Shop, der in ganz Europa gefunden werden will, sieht das aber ganz anders aus.

In meiner Zeit bei einer großen Digital Marketing Agency in Melbourne durfte ich mich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen, da ich u.a. für die internationale SEO für Kunden aus Australien, Neuseeland, USA, Thailand, Hong Kong, Singapur und einige mehr zuständig war. Wie schafft man es, einen Kunden mit 15 verschiedenen Domains in noch mehr verschiedenen Ländern in die Top 10 bei Google zu bekommen? Und das zu stark umkämpften Keywords? Je nach dem, wie die Websites strukturiert sind, ist das Thema nicht ganz trivial.

Wer noch nie etwas von hreflang tags, geographic targeting oder XML Sitemaps mit hreflang tags gehört hat, der sollte sich den Artikel ruhig zu Gemüte führen. Ich versuche ein paar Fälle aus der Praxis zu besprechen und „best practices“ davon abzuleiten. Es gibt meist mehrere Möglichkeiten, die internationale SEO in den Griff zu bekommen, und ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass meine Lösungen die idealen sind. Aber geklappt haben sie meist.

Eine Domain oder mehrere .tld´s?

Eine wichtige Grundfrage stellt sich gleich zu Beginn: Soll nur eine große company website, meist eine .com Domain projektiert werden oder eher mehrere, z.B. eine .de, eine .co.uk, eine .com? In den meisten konkreten Kundenfällen war es allerdings so, dass die Unternehmungen organisch gewachsen sind, und das Kind gewissermaßen schon in den Brunnen gefallen war, bevor man sich des Problems der internationalen Rankings überhaupt erst bewusst wurde.

Das heißt, dass am Anfang meist nur eine Domain stand. Anschließend wurden wild zusätzliche Domains registriert und oftmals flächendeckend mit duplicate content ausgestattet. Das Aufräumen im Nachhinein kann dann durchaus teurer werden als wenn man sich die Sache vorher gründlich überlegt hätte.

Beispiel: Eine große Marke im real estate Bereich hatte 5 Domains registriert, darunter die .com, co.uk, com.sg, com.hk und die .net Versionen. Sie wollten mit

.com -> USA

.co.uk -> UK

.com.sg -> Singapur

.com.hk -> Hong Kong

.net -> alles andere (global)

anvisieren. Und überall war bis auf die Listings der Immobilien der Content identisch, alle auf Englisch. Dadurch, dass die URL-Struktur verschieden war, wurde die Sache noch einmal etwas komplizierter.

Aus meiner Sicht hätten sich vor dem Launch vor allem drei Möglichkeiten angeboten. Die erste Option: Jede Domain wird komplett individuell projektiert mit eigenen Immobilien-Angeboten in den jeweiligen Ländern, eigenen lokalisierten Landing-Pages. Der Vorteil wäre gewesen, dass man theoretisch komplett ohne hreflang-tags auskommt (manchmal ist die Implementierung recht umständlich) und die Gefahr der doppelten Inhalte komplett gelöst wäre.

Der Nachteil: für jede Domain hunderte eigener Content-Seiten, Marketing für 5 verschiedene Domains und damit ggf. auch Linkaufbau für 5 verschiedene Domains. Zudem sollten einige der Immobilien über mehrer Domains gefunden werden, also z.B. das „townhouse in King´s Cross London“ sowohl über die UK-Website als auch die SG und die HK Website. Für diese Projekte hätte man dann doch wieder mit hreflang tags arbeiten müssen und / oder aber ebenfalls komplett individualisierte Inhalte erstellt.

internationale Suchmaschinenoptimierung, internationl websites

Wie sieht die Suchmaschinenoptimierung bei internationalen Websites aus?

Die zweite Option wäre eine große Website, auf welche alle Domains zugreifen. Die hreflang tags der .net Homepage würden so aussehen:

<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.net/“ hreflang=“x-default“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/“ hreflang=“en-us“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.co.uk/“ hreflang=“en-gb“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com.sg/“ hreflang=“en-sg“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com.hk/“ hreflang=“en-hk“ />

Die Inhalte der jeweiligen Domain müssten nicht individualisiert sein, können aber. Auch hier der Nachteil: Man hat verschiedene Domains, Streuverluste beim Marketing. Auf der anderen Seite viel weniger Aufwand beim Content. Das kann theoretisch funktionieren, doch selbst Google scheint bei richtigem hreflang tag mark-up manchmal Probleme zu haben, die richtige Domain anzuzeigen.

Google-Video: Tipps zu hreflang tags und Domains in verschiedenen Sprachen

Auch von Google selbst gibt es Hilfe rund um internationale websites…

Wir hatten z.B. bei einigen Kunden die Erscheinung, dass laut dem hreflang tag checker von Dejan SEO flang alle hreflang tags richtig waren, doch der Google-Cache die falsche Domain in den verschiedenen Ländern angezeigt hat. Obwohl zusätzlich eigene Server organisiert wurden, d.h. die co.uk Domain wurde auch in UK gehostet, die .com.au in Australien und die .com in den USA.

Wer Hilfe braucht bei der Erstellung der richtigen tags, sollte den hreflang tag generator von Aleyda Solis ausprobieren. Sie ist eine anerkannte Expertin in Sachen „international SEO“ und stellt ein sehr nützliches Tool zur Verfügung. Muchas gracias!

Selbst auf direkte Nachfrage an das Google-Team gab es keine zufriedenstellende Antwort. Wir konnten dieses Problem bei manchen Kunden dadurch in den Griff bekommen, dass wir die länderspezifische Domain-Authority gestärkt haben, also mehr Links von UK-Domains für die .co.uk organisiert und gleichzeitig die Länderrelevanz erhöht haben, sprich eigene Kontaktadressen, Google-Maps, Telefonnummern und natürlich NAP-consistency in allen externen Profilen. Doch auch das half nicht immer.

Die dritte Option wäre eine Kombination, welche alle Inhalte auf sich vereint, und ist auch die Lösung, welche gut für mich funktioniert hat. Ich hätte hier in diesem konkreten Fall vorzugsweise die .com Domain projektiert und dann mit Subfoldern gearbeitet. Man könnte auch mit Subdomains oder Parametern arbeiten, was ich selber nicht sehr empfehlen kann – auch zur URL-Struktur stellt Google Infos zur Verfügung. Mit einem einheitlichen hreflang tag markup hätte man dann länderspezifisch versuchen können, die richtige Domain anzeigen zu lassen.

Die hreflang tags einer Unterseite könnten dann so aussehen:

<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/immobilien-london/projekt-1/“ hreflang=“x-default“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/us/immobilien-london/projekt-1/“ hreflang=“en-us“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/uk/immobilien-london/projekt-1/“ hreflang=“en-gb“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/sg/immobilien-london/projekt-1/“ hreflang=“en-sg“ />
<link rel=“alternate“ href=“http://realestatewebsite.com/hk/immobilien-london/projekt-1/“ hreflang=“en-hk“ />

Selbst wenn dann beim Suchen in Hong Kong der SG-Subfolder angezeigt würde, ist das noch kein Beinbruch. Gleichzeitig hat man keine Streuverluste, weil man für verschiedene Domains das Marketing und Linkaufbau betreiben muss. Die Inhalte müssen auch nicht alle individualisiert werden, können aber.

Bei WordPress-Websites haben wir vorzugsweise mit WPML gearbeitet, bei anderen CMS sieht das schon schwieriger aus. In jedem Fall ist es absolut essenziell gewesen, die Sache gemeinsam mit dem Webdeveloper / PHP-Programmierer anzugehen, damit im Anschluss nicht die ganze Arbeit umsonst war.

Ein schönes Live-Beispiel, an welchem man den Einsatz von hreflang tags im Header sowohl für Subdomains als auch .tld´s nachvollziehen kann, ist übrigens Airbnb.

XML Sitemap mit hreflang tags

In manchen fällen war es nicht möglich, im PHP-Header einen Code-Schnipsel einzubauen, um die korrekten hreflang tags zu generieren. In diesen Fällen ist dann eine entsprechende XML Sitemap eine denkbare Lösung. Auch hierzu gibt es ein hervorragendes kostenloses Tool von themediaflow.

Ich hatte z.B. einen „international enterprise client“ im Umzugsbereich, welcher ein recht antiquiertes System im Einsatz hatte, das auf einem Windows-Server (.NET) lief. Neben zahlreichen internationalen Domains mit fast identischen Inhalten gab es zusätzlich noch eine größere .com Domain, welche über die Unterordner mit den .tld der jeweiligen Nationen konkurrierte. Die Lösung war eine manuell erstellte XML Sitemap auf allen Domains, welche die (fast) gleiche URL-Struktur hatten und unique content samt externen Verlinkungen zu den länderspezifischen Domains auf der .com Domain mit den Unterordnern. Keine ideale Lösung, aber es hat immer noch besser funktioniert als vorher:D.

Doch wenn man auf Kunden stößt, die Tausende von Unterseiten haben, dann wird auch der Einsatz des Tools schwierig. Wir haben dann teilweise mit Eigenkonstruktionen aus Excel-Sheets gearbeitet, um umfangreiche XML Sitemaps mit allen URL-Variationen und „matches“ zu erstellen. Das war zum Beispiel bei einer sehr großen internationalen Bildungs-Institution der Fall, welche sehr viele doppelte Inhalte in verschiedenen Länderordnern mit unterschiedlicher URL-Struktur hatte. Doch für nicht ganz so große Websites sollte man mit dem Tool von themediaflow schon ganz gut arbeiten können.

International Targeting via Search Console

Nicht zu vergessen ist die internationale Ausrichtung über die Google Webmastertools. Ich bin z.B. schon auf einige Kunden-Websites gestoßen, die vorher schon von anderen SEOs betreut wurden, und bei denen diese Einstellung vernachlässigt wurde. Um was geht es?

Wenn ich z.B. eine .com Domain habe, und diese auf den deutschen Markt ausrichten möchte, dann sollte das auch so über die Search Console eingestellt werden:

international targeting mit Google Search Console

Internationales Targeting via Google Webmaster Tools

Ich hatte einige Fälle, bei denen sowohl .com als auch .net und .org Domains einen riesigen Schub nach oben gemacht haben, indem wir einfach nur die geografische Ausrichtung angepasst haben.

Man kann übrigens auch Unterordner ausrichten: Im obigen Fall könnte man den root-Folder .com ungelistet lassen, die Unterordner .com/uk/ auf UK ausrichten, .com/hk/ auf Hong Kong, .com/sg/ auf Singapur usw. Das könnte eine minimale Anpassung sein, wenn man sonst weder mit hreflang tags im Header noch in der XML Sitemap arbeiten kann, weil das Website-Konstrukt zu kompliziert ist.

Wer Hilfe bei der internationalen SEO braucht, der kann uns gerne kontaktieren. Wir helfen gerne dabei, die Internationalisierung von Online Businesses und eCommerce Projekten strategisch zu planen und auch durchzuführen.

About John

John Rüth ist Online Marketer aus Leidenschaft und hilft Ihnen gerne dabei, mehr Erfolg im Internet zu haben!

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2 Responses to Internationale Suchmaschinenoptimierung: Rankings in verschiedenen Ländern

  1. Julian 19. April 2017 at 14:26 #

    Ein gut geschriebener Artikel, der meinem Wissen auf die Sprünge hilft. Bisher habe ich mich über diverse Blogs und Handbücher, wie dieses https://www.seoagentur.de/seo-handbuch/, über verschiedene Themen im SEO informiert. Ich finde es spannend das jeder Online Markter seine eigene Meinung zu bestimmten Themen hat, es aber andererseits gewisse Standards oder einheitlich Methoden gibt.

  2. John 5. Juni 2017 at 6:16 #

    Hallo Julian,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Es ist unheimlich wichtig, sich verschiedene Meinungen zu den Themen einzuholen, da tatsächlich niemand die „SEO-Weisheit aus Löffeln gegessen hat“. Jeder Fall ist anders, keine Domain ist wie die andere. Zudem ist die Suchmaschinenoptimierung schlichtweg keine Wissenschaft, in welcher man bestimmte Ergebnisse isoliert reproduzieren kann.

    Das macht dieses Feld auch sehr spannend, gleichzeitig recht komplex. In Bezug auf die internationale SEO habe ich festgestellt, dass es noch viel weniger eine „normierte Strategie“ gibt, und hier schlicht und einfach die Erfahrung den Unterschied macht. Erkenntnisbringende Tests sind generell sehr wichtig, doch in diesem Bereich vielleicht noch wichtiger als sonst.

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